Was für uns wirksam sein bedeutet

„Wirksamkeit“ ist ein Begriff, der heute sehr häufig verwendet wird. In der Beratung, im Change Management und in der Organisationsentwicklung. Fast jede Intervention, jedes Projekt und jedes Angebot möchte wirksam sein. Gleichzeitig bleibt oft unklar, was damit eigentlich gemeint ist. Woran erkennt man, dass etwas wirksam ist oder war? Auch wir sprechen von „wirksam sein“. Genau deshalb möchten wir hier beschreiben, wie wir Wirksamkeit verstehen und woran wir sie in unserer Arbeit festmachen.

Wirksamkeit: Ein Begriff, der viel verspricht

Sprachlich stammt „wirksam“ vom Verb wirken. Etwas ist wirksam, wenn es eine Wirkung hervorruft. Nicht mehr und nicht weniger. Entscheidend ist dabei nicht die Absicht, nicht der Aufwand und auch nicht die Qualität der Umsetzung, sondern das, was sich tatsächlich verändert. Schon in dieser ursprünglichen Bedeutung wird deutlich: Wirksamkeit beschreibt nicht eine Aktivität, sondern deren Ergebnis.

In wissenschaftlichen Kontexten wird Wirksamkeit entsprechend nüchtern verwendet. In der Psychologie und in den Sozialwissenschaften gilt eine Intervention als wirksam, wenn sie nachweislich zu einer Veränderung führt. Auch in der Medizin gilt eine Behandlung erst dann als wirksam, wenn sie eine nachweisbare Wirkung erzielt und diese über einen gewissen Zeitraum anhält, unabhängig davon, wie gut sie geplant oder durchgeführt wurde. Dieses Verständnis prägt auch unseren Blick auf Wirksamkeit in Organisationen.  In der Organisations- und Managementforschung geht es darum, ob Massnahmen über den reinen Output hinaus Wirkung im System entfalten. Im Change Management zeigt sich Wirksamkeit dann, wenn Veränderung nicht nur initiiert, sondern im Alltag weitergeführt wird. Wirksamkeit ist damit eine Beobachtung.

Wie Wirksamkeit heute oft verwendet wird

Im heutigen Beratungs- und Organisationskontext wird der Begriff allerdings häufig anders gebraucht. „Wirksam“ dient oft als positives Attribut, als Qualitätsversprechen oder als Abgrenzung, ohne dass klar wird, worauf sich diese Wirksamkeit konkret bezieht.

Ein Workshop kann als wirksam bezeichnet werden, weil er gut moderiert war. Ein Projekt, weil es termingerecht abgeschlossen wurde. Eine Transformation, weil sie viele Beteiligte einbezogen hat. All das kann wichtig und sinnvoll sein. Es sagt jedoch noch wenig darüber aus, ob sich dadurch tatsächlich etwas verändert hat. Ob Entscheidungen anders getroffen werden. Ob Verantwortung anders wahrgenommen wird. Ob neue Arbeitsweisen auch dann Bestand haben, wenn der Projektkontext endet. So verliert der Begriff an Schärfe und bleibt oft auf der Ebene von Aktivität und Wahrnehmung stehen.

Wirksamkeit zeigt sich nicht im Projekt, sondern danach

Für uns beginnt Wirksamkeit dort, wo externe Unterstützung nicht mehr notwendig ist. Eine Veränderung ist aus unserer Sicht dann wirksam, wenn sie sich im Alltag der Organisation zeigt. Nicht während der Intervention, sondern danach. Nicht auf Folien, sondern in Entscheidungen, Routinen und Zusammenarbeit. Wirksamkeit zeigt sich zum Beispiel daran, dass Entscheidungen klarer und eigenständiger getroffen werden. Dass Verantwortung dort übernommen wird, wo sie hingehört. Dass weniger nachgefragt werden muss, wie etwas gemeint ist, weil Orientierung vorhanden ist. Dass neue Arbeitsweisen nicht mehr erklärt werden müssen, sondern eingesetzt werden.

Woran wir Wirksamkeit konkret erkennen

In unserer Arbeit achten wir weniger auf einzelne Massnahmen und mehr auf Veränderungen im System. Wir beobachten, ob sich Sprache verändert. Ob Themen anders verhandelt werden. Ob Konflikte früher angesprochen werden. Ob Prioritäten klarer sind. Ob Entscheidungen nicht mehr vertagt, sondern getroffen werden.

Wirksamkeit zeigt sich für uns auch darin, dass Dinge ohne Nachschieben weiterlaufen. Dass Prozesse nicht von einzelnen Personen abhängig bleiben. Dass Veränderung nicht immer wieder neu erklärt oder begründet werden muss.

Wirksam sein: Ein Beispiel aus unserer Arbeit

In einem Digitalisierungsprogramm mit rund zwanzig IT-Projekten war Change Management zu Beginn kaum verankert. Die ersten Projekte waren entsprechend anspruchsvoll. Einige Monate später begleiteten wir mit demselben Projektleiter ein weiteres Vorhaben. Change-Aktivitäten wurden frühzeitig eingeplant, die Auswirkungen auf Nutzerinnen und Nutzer mitgedacht und die Zusammenarbeit strukturierter gestaltet. Genau das verstehen wir unter Wirksamkeit: Wenn Erfahrungen aus früheren Projekten in neue Vorhaben einfliessen und externe Begleitung mit der Zeit weniger notwendig wird.

Was Wirksamkeit für unsere Arbeit bedeutet

Dieses Verständnis von Wirksamkeit prägt unsere Art zu arbeiten. Wir greifen nicht nur punktuell ein und liefern keine Lösungen, die losgelöst vom Kontext bestehen. Stattdessen beschäftigen wir uns mit Entscheidungslogiken, Verantwortlichkeiten, Schnittstellen und dem Zusammenspiel von Menschen, Strukturen und Rahmenbedingungen.

Das bedeutet auch, dass wir nicht alles beschleunigen und nicht jede Unklarheit sofort auflösen. Manche Veränderungen brauchen Zeit, um sich zu setzen. Andere benötigen Reibung, um ernst genommen zu werden. Wir können Wirkung nicht garantieren. Was wir tun können, ist Bedingungen zu gestalten, unter denen Wirkung entstehen kann.

Quellen:

  • Duden: Definition von „wirksam“ und „Wirksamkeit“ → Sprachliche Herkunft und Grundverständnis des Begriffs
  • Rossi, P. H., Lipsey, M. W., Henry, G. T. (2019): Evaluation: A Systematic Approach → Wirksamkeit als nachweisbare Veränderung durch Interventionen
  • Drucker, P. F. (1967): The Effective Executive → Unterscheidung zwischen Effizienz, Effektivität und Wirkung
  • Lewin, K. (1951): Field Theory in Social Science → Veränderung als Zusammenspiel von Person und Umfeld
  • Prosci: Best Practices in Change Management (verschiedene Ausgaben) → Nachhaltige Veränderung zeigt sich in Adoption und Nutzung im Alltag
  • Luhmann, N. (1984): Soziale Systeme → Wirkung entsteht durch anschlussfähige Kommunikation und Entscheidungen
Titelseite des Whitepapers "Erfolgsfaktor Change Management"
Unsere Empfehlung

Whitepaper: Erfolgsfaktor Change Management

Veränderung ist kein Projekt, sondern ein Dauerzustand und wer sie nicht gestaltet, wird von ihr gestaltet. Dieses Whitepaper zeigt, warum erfolgreiche Transformation bei Kultur, Mindset und Führung beginnt und wie Change Management zum echten Erfolgsfaktor wird.

Weitere Beiträge