Alte Muster aufbrechen: Wie wir aus festgefahrenen Routinen herauskommen

Wir kennen es alle: Wir schlafen immer auf derselben Seite im Bett. Putzen zuerst die Zähne und kämmen danach die Haare. Greifen morgens automatisch zum gleichen Kaffeebecher. Und im Arbeitsalltag? Da laufen viele Prozesse, Gespräche und Meetings ganz ähnlich ab, oft nach immer gleichen Mustern, fast automatisch, ohne dass wir gross darüber nachdenken. Das ist nicht per se schlecht. Problematisch wird es dann, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, die Routinen aber gleich bleiben. Genau dann wird Veränderung plötzlich nötig.

Worum geht es bei Routinen eigentlich und warum sind sie so hartnäckig?

Routinen sind automatisierte Verhaltensweisen, die ohne bewusste Entscheidung ablaufen. Sie helfen uns, Energie zu sparen und Komplexität zu reduzieren. Studien zeigen, dass über 40% unseres täglichen Handelns automatisiert abläuft, also nicht aktiv entschieden wird. Zurück zum Alltagsbeispiel: Wenn ich mir immer zuerst die Zähne putze und danach die Haare kämme, muss ich morgens keine Entscheidung treffen. Mein Gehirn freut sich: Weniger Aufwand, ich spare kognitive Energie. Genau das macht Routinen so attraktiv. Und so stabil.

Routinen geben Sicherheit und genau das macht Veränderung schwierig. Routinen sind häufig mit Sicherheit, Kontrolle oder Zugehörigkeit verbunden. Sie geben Orientierung. Veränderung hingegen bringt Unsicherheit mit sich. Selbst dann, wenn sie rational sinnvoll wäre. Vielleicht erklärt das auch, warum der Satz „Das haben wir schon immer so gemacht.“ in Organisationen so langlebig ist. 😉

Wissen verändert Verhalten nicht automatisch

Ein wichtiger Punkt und einer, der in Veränderungsprozessen oft unterschätzt wird: Einsicht allein reicht nicht. Zwischen „Ich weiss, dass wir das anders machen sollten“ und „Wir machen es tatsächlich anders“ liegt eine grosse Lücke. Das gilt im Privaten genauso wie im organisationalen Kontext. Genau hier scheitern viele gut gemeinte Initiativen.

Organisationen stabilisieren Routinen zusätzlich

In Organisationen werden Routinen nicht nur individuell gelebt, sondern strukturell verstärkt, zum Beispiel durch:

  • Prozesse und Standards
  • Rollen und Verantwortlichkeiten
  • Anreiz- und Bewertungssysteme

Wer sich anders verhält, stösst schnell an implizite Grenzen. Alte Muster sind damit kein Zufall, sondern ein fester Bestandteil dessen, wie Organisationen funktionieren. Und gleichzeitig können genau diese Muster Veränderung blockieren. Hier setzt Change Management an. Change Management unterstützt dabei, organisationalen Wandel bewusst zu gestalten, statt ihn dem Zufall zu überlassen. Im Kern geht es darum:

  • bestehende Routinen zu erkennen,
  • neue Verhaltensweisen aufzubauen,
  • und Bedingungen zu schaffen, in denen Veränderung im Alltag verankert werden kann.

Nicht als einmaliges Projekt, sondern als kontinuierlicher Prozess.

5 Change-Management-Best-Practices, um alte Muster zu durchbrechen

  1. Muster gemeinsam sichtbar machen, ohne Schuldzuweisung

Beobachtung vor Bewertung. Bevor sich etwas verändern kann, braucht es ein gemeinsames Verständnis: Welche Routinen gibt es? Wann treten sie auf? Was stabilisiert sie? Dialogformate, Retrospektiven oder auch Rollenspiele helfen, alte Verhaltensweisen sichtbar zu machen und neue auszuprobieren.

  1. Kontext ändern statt Verhalten verbieten

Routinen hängen weniger an guten Vorsätzen als an den Rahmenbedingungen. Oft wirksamer als Appelle sind kleine Kontextanpassungen, zum Beispiel:

  • andere Meetingformate oder -zeiten
  • klarere Entscheidungswege
  • angepasste Rollen oder Verantwortlichkeiten
  1. Ersatzroutinen etablieren

Etwas einfach abzuschaffen reicht selten. Sonst entsteht schnell ein Vakuum. Erfolgreiches Change Management bedeutet, neue, hilfreiche Routinen gleichzeitig aufzubauen, etwa:

  • eine neue Feedback-Routine
  • eine veränderte Meetingstruktur
  • klare Check-ins statt informeller Abstimmungen
  1. Klein starten, konsequent wiederholen

Nachhaltige Veränderung entsteht nicht durch einmalige Massnahmen, sondern durch Wiederholung im Alltag. Kleine Schritte, die regelmässig geübt werden, wirken oft stärker als grosse Initiativen. Oder kurz gesagt: Übung macht den:die Meister:in.

  1. Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Routinen sind sozial. Sie entstehen und bestehen in der Interaktion. Deshalb braucht Veränderung gemeinsame Verantwortung, durch Führung, Teams und Beteiligte. Wenn Menschen erleben, dass ihre Perspektiven ernst genommen werden, steigt die Bereitschaft, neue Routinen mitzutragen.

Mini-Impulse: Veränderung im Kleinen ausprobieren

Wenn du etwas verändern willst, fang klein an. So klein, dass es fast banal wirkt. 

Bei dir selbst zum Beispiel:

  • Nimm im Meeting bewusst einen anderen Platz als sonst.
  • Starte deinen Arbeitstag nicht mit E-Mails, sondern mit einer kurzen Notiz: Was ist heute wirklich wichtig?
  • Stell dir am Ende eines Tages eine einzige Frage: Was habe ich heute anders gemacht als sonst?

In der Organisation oder im Team:

  • Mach dein nächstes 1:1 Meeting bei einem Spaziergang.
  • Beginnt Meetings mit der Frage: Was braucht es heute, damit wir gut weiterkommen? Anstelle von Status.
  • Verkürzt ein wiederkehrendes Meeting testweise um 10 Minuten und schaut, was passiert.

Fazit: Change Management bedeutet verstehen und gestalten

Alte Muster aufzubrechen heisst nicht, Gewohnheiten einfach „wegzuwünschen“. Es bedeutet, Routinen sichtbar zu machen, zu hinterfragen und bewusst neue Wege zu etablieren. Organisationen verändern sich nur, wenn Menschen sich verändern. Und genau dabei hilft ein strukturierter Change-Management-Ansatz. Oder anders gesagt: Veränderung beginnt nicht nur mit dem Wunsch nach Neuem, sondern mit dem Verständnis für das Bestehende.

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